Zur Geschichte des Rhedaer Krankenhauses

Ernst August Lübbermann, 1981

Das Gleichnis des barmherzigen Samariters auf dem Siegel der Ev. Stiftung. Das Gleichnis beginnt mit der Frage: “Wer ist mein Nächster?”
Die wichtigste Neuerung auf dem Gebiet der Krankenpflege in Deutschland war, dass seitdem 15. und 14. Jahrhundert in allen Städten städtische Hospitäler errichtet wurden.

Waren die Hospitalgründungen des frühen Mittelalters ausschließlich in Anlehnung an einkirchliches Institut oder klösterliches Stift entstanden, so trat seit dem Ende des 15. Jahrhunderts das Bürgertum als mitbestimmender Faktor in der Armen- und Krankenpflege immer mehr in Erscheinung. Dieser Wandel wurde durch das Erstarken des Bürgertums hervorgerufen, das nach möglichst weitgehender Selbständigkeit in der städtischen Verwaltung strebte, auch auf dem Gebiet des Hospitalwesens. Jedoch blieb nach wie vor die tiefe Religiosität des mittelalterlichen Menschen bei den zahlreichen Armenstiftungen ausschlaggebend. Bereits in der vorhergehenden Zeit hatten Gläubige aller Stände durch beachtliche Spenden die Tätigkeit der Kirche und Ordensgemeinschaften auf dem Gebiet der Armen- und Krankenpflege unterstützt. Die Verbürgerlichung ist also im Wesentlichen nur ein administrativer Vorgang und bedeutete keineswegs eine Verweltlichung. Der religiöse Charakter des Hospitalwesens blieb bis in die Neuzeit unverändert erhalten. Für unsere heutigen Begriffe waren die Hospitäler allerdings sehr klein, was aber der niedrigen Bevölkerungszahl entsprach und in normalen Zeiten den an sie gestellten Ansprüchen genügte.

cord02 Graf Konrad von Tecklenburg
Unterhalb der Burg Rheda entwickelte sich um die Mitte des 15. Jahrhunderts ein befestigter stadtähnlicher Flecken, der am 25. Februar 1555 vom damaligen Landesherrn Bernhard V. Edelherr zur Lippe das volle Stadtrecht erhielt Sicherlich wird die aufstrebende Stadt auch schon zu jener Zeit ein Hospital oder Siechen- haus besessen haben. Über die Art der Verwaltung und Betreuung sind keine urkundlichen Aufzeichnungen mehr vorhanden. Es muss aber angenommen werden, dass sie bei der Kirche gelegen hat. In einer Urkunde aus dem Jahre 1554 heisst es: „Die Armen und Kranken der Stadt Rheda sollen unterhalten werden von den Renten, die bisher die Heiligen und ihre Knechte erhoben haben.“ Diese alte Institution hat unzweifelhaft durch die seit 1527 anlaufende Reformation ihr Ende gefunden.

Aus einer, leider nur noch in Teilabschrift vorliegenden Urkunde vom 21. September 1554 erfahren wir, dass Graf Konrad von Tecklenburg und seine Gemahlin Mechthild der Stadt, „dem Rate zur Liebe, mit reifem Rat und Wohlbedacht zum gemeinen Nutzen, den Armen und Elenden zum Trost, ein Armen- oder Gasthaus (= Hospital) gestiftet“ und mit dem nötigen Kapital versehen haben. Über das Verhältnis des Hauses zur Kirche sagt die Urkunde nichts aus. Es handelt sich hier also um eine reine Zusammenarbeit von landesherrlicher und städtischer Obrigkeit

Graf Konrad überträgt die Neugründung dem Rat, der somit nun als oberste Instanz in der sozialen Fürsorge auftritt. Auch die Vermögensverwaltung liegt in seiner Hand, allerdings mit dem Vorbehalt des Stifters, einen der beiden das Vermögen der Stiftung verwaltenden Provisoren selbst zu bestimmen.

Die Provisoren hatten die Renten und Einkünfte des Gasthauses zu erheben und jährlich darüber Rechenschaft abzulegen. Weiter oblag es ihrer Pflicht, vom Rat angeordnete Beträge aus ihren Registern nicht nur an arme und elende Mitbürger, sondern auch an Fremde und Durchreisende, die in Krankheit und Not geraten waren, auszuzahlen. In den noch erhaltenen „Armenregistern“ aus dem Ende des 16. Jahrhunderts finden sich viele Eintragungen, die über Art und Höhe berichten. Da heißt es zum Beispiel: „Drei Arme, so lange von den Türken gefangen waren, 12 Groschen gereichet, einer armen Frau aus Friesland Wegzehrung und 4 Groschen gelanget“. Nicht selten müssen aus dem Register auch Särge für mittellos Verstorbene bezahlt werden, ebenso die Kosten für ärztliche Kuren und Behandlungen.

Im Gasthaus waltete der Gastmeister, der nach dem Rechten sah und das Stiftungsvermögen nach den Bestimmungen des Stifters verwaltete. Ihm zur Seite stand ein vom Rat erwähltes „unbescholtenes, kinderloses Ehepaar“ das als Hausvater und Hausmutter zur Pflege der Insassen bestellt worden war. Als Entgelt für diesen Dienst erhielten sie freie Wohnung und Nutzung des zum Hause gehörenden Gartens und Ackers und nach ihrem Ausscheiden eine Kammer und Verpflegung bis zum Tode. 1597 werden zur Pflege der Insassen Johann Alberts und seine Hausfrau „in das Armenhaus oder Hospital auf- und angenommen.“

Nach den Statuten sollten nur freie Personen im Hospital aufgenommen werden; was sie mitbrachten, einschließlich des baren Geldes, verblieb dem Hause. Dazu sagt ein Unterartikel: „Es soll niemand aufgenommen werden, der nicht wenigstens ein Bett mit Zubehör, eine Queckkanne von Zinn, einen Topf und einen Stuhl mit gutem Rissen mitbringt“ Für Eigenbehörige hatte die Herrschaft, wenn sie beerben wollte, die Kost zu zahlen.

Das Gast- und Armenhaus befand sich zwischen dem Johannistor – dem Stadttor an der Wiedenbrücker Straße – und dem Mausetor, einer Notpforte, auf der heutigen Moos-Straße.

Während der letzten großen Pest in Rheda 1655 wurde das Pest -Haus auf Blindenbaums Heide vor den Toren der Stadt, welches bis dahin als städtischer Schafstall gedient hatte, wieder zur Aufnahme von Kranken hergerichtet und benutzt Wann dieses Leprosenhaus entstand und wann es endgültig aufgehoben wurde, ist urkundlich nicht überliefert

Für die Unterbringung und sachgemäße Behandlung von kranken, pflegebedürftigen und unbemittelten Alten und Gebrechlichen hatten sich die Räumlichkeiten des alten, in der Moosstraße gelegenen Spitals schon lange als unzureichend erwiesen. Es wurde daher gleich zu Anfang des vorigen Jahrhunderts aufgegeben und wenig später verkauft. Dafür bildete sich gegen Ende der dreißiger Jahre aus Mitgliedern der Evangelischen Gemeinde ein „Hülfsverein“. Zu ihm gehörte ein Kreis begüterter und christlich gesinnter Frauen, die es sich zur Pflicht machten, nach Kräften für Arme, Alte und Kranke zu sorgen. Es wurde genäht, gestrickt und beraten, wo und wie geholfen werden konnte. Man versorgte die Bedürftigen mit Wäsche und Betten, kochte für sie und unterstützte sie auch mit Geld. Dabei sollte, so forderten es die Statuten des Vereins, „aber nicht nur äußere Hilfe geboten werden, sondern auch Worte des Trostes, so wie es die Gelegenheit gerade rechtfertigte, gesagt werden.“

Bedingt durch die ständig wachsende Einwohnerzahl, wurde im Frühjahr 1851 die Gründung einer Krankenpflegeanstalt angeregt Dass diese Einrichtung schon zwei Jahre danach verwirklicht werden konnte, ist – neben den vielen, aus allen Schichten der Bevölkerung kommenden Spenden – Vermächtnissen und Stiftungen zu verdanken. Darunter fanden sich auch Gaben ehemaliger Rhedaer Bürger, die nach Amerika ausgewandert waren. Ausschlaggebend war vor allem das hochherzige Entgegenkommen Seiner Durchlaucht des Fürsten Moritz-Casimir IV. zu Bentheim-Tecklenburg und seiner Gemahlin Fürstin Agnes Christine von Sayn-Wittgenstein-Hohenstein.

agnes02 Fürstin Agnes zu Bentheim -Tecklenburg
Anlässlich der 25. Wiederkehr ihres Hochzeitstages stellten sie dem „Verein zur Gründung einer Krankenpflegeanstalt zu Rheda“ das Hauptgebäude ihres im Gaukenbrink gelegenen Waldgutes zur Verfügung. Ursprünglich war es gegen Ende des 18. Jahrhunderts als „Posthotel“ von Kaufmann Schwenger aus Wiedenbrück erbaut worden, hatte sich dann aber nicht rentiert. Für den neuen Zweck eignete es sich jedoch sowohl der Lage als auch den räumlichen Gegebenheiten nach, so dass es ohne größere Umbauarbeiten gleich in Betrieb genommen werden konnte. Am Jubeltag des fürstlichen Paares, am 51. Oktober 1855 (Reformationstag), wurde das Haus feierlich eingeweiht und dem Verein sowie der Evangelischen Gemeinde übergeben.

gaukenbrink02 Waldgut Gaukenbrink
Nach den Statuten sollten Kranke aus Stadt und Amt Rheda ohne Unterschied des Bekenntnisses aufgenommen werden. Die Pflege oblag ausgebildeten Diakonissen, die auch in der Stadt zur Betreuung Bedürftiger eingesetzt werden konnten. Beaufsichtigung, Leitung und Vermögensverwaltung unterstanden dem jeweiligen Pfarrer sowie fünf gewählten Personen: Direktor, Sekretär, Rendant und zwei Beisitzer.

Die Aufnahme von Patienten erfolgte auf Einweisung durch einen Arzt. Direktor und zwei Vorstandsmitglieder hatten festzustellen, inwieweit der Aufgenommene für die entstehenden Rosten herangezogen werden konnte. Für die Ortsarmen wurden die Aufenthalts- und Behandlungskosten aus der städtischen Armenkasse bestritten. Für durchreisende Handwerksgesellen waren die Innungskassen zuständig.

Nachdem am 22. Juni 1856 die verbesserten Statuten vom Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, v. Duesberg, in Münster genehmigt worden waren, wurden dem Institut am 4. August 1856 vom König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen laut Order die Korporationsrechte verliehen, die zum Erwerb von Grundstücken und Kapitalien erforderlich waren. (Faksimile S. 5)

Bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges 1870/71 hatte sich der Vorstand verpflichtet, in der Krankenanstalt acht verwundete oder kranke Soldaten auf Kosten des „Hülfsvereins“ aufzunehmen. Gleichzeitig hatte der Fürst auf dem Schloss ein Privatlazarett für 18 Verwundete einrichten lassen. Auch in einigen Bürgerquartieren der Stadt sind kranke Soldaten aufgenommen worden. Im Frühjahr 1871 konnten alle in Rheda gepflegten Soldaten geheilt zu ihren Truppenteilen entlassen werden. Nur zwei Schwerverwundete im fürstlichen Lazarett wurden länger behandelt.

Gegen Mitte des Jahres wurde das Haus durch Um- und Anbauten erweitert. Der Anbau wurde unterkellert und die Räume im Erdgeschoß wurden höher gelegt. Zu den vier Krankenzimmern mit je vier Betten entstand im Anbau eine Isolierstation. Alle Räume konnten im Winter durch Kamine, die von den Fluren aus befeuert wurden, beheizt werden. Als besondere Neuerung wurden Toiletten mit Wasserspülung installiert. Die Diakonissen auf den Stationen erhielten Einzelzimmer. Die Kosten für den Umbau beliefen sich auf 2650 Taler, die der Fürst übernahm.

Der tägliche Unterhalt eines Kranken wurde mit zwei Silbergroschen und sechs Pfennigen bestritten. Für den „lebenslänglichen“ Aufenthalt einer älteren Person wurden 40 bis 50 Taler als ausreichend angesehen. Aus einer Armenrechnung jener Zeit geht hervor, dass die städtische Armenkasse für einen für zwei Monate aufgenommenen Patienten zwei Taler und 15 Silbergroschen an die Krankenhausverwaltung gezahlt hat.

gustav03 Fürst Gustav stellte das Grundstück an der Gütersloher Straße zur Verfügung.
Nach einer Inspektion durch die Aufsichtsbehörde im Jahre 1905 kam die Königliche Regierung in Minden zu dem Schluss, dass das Krankenhaus in Rheda in keiner Weise mehr den damaligen hygienischen Anforderungen entsprach. Sie forderte daher die Schließung oder die Errichtung eines Neubaues. So wurde dann in einer Sitzung des Krankenhausvorstandes am 7. April des gleichen Jahres „dem Neubau eines Krankenhauses näher getreten“. Da aber in diesem Fall auf die weitere Benutzung des vom Fürsten unentgeltlich zur Verfügung gestellten Hauses verzichtet werden musste, wurde er vom Vorstand gebeten, „einen entsprechenden Ersatz gewähren zu wollen“. Das Fürstliche Haus erklärte sich auch dazu bereit und stellte ein Grundstück an der Gütersloher Straße für den Neubau zur Verfügung. Bereits im Juli entschloss sich der Vorstand, einem vom Regierungsbaumeister Karl Siebold aus Bethel vorgelegten Plan zuzustimmen. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 41000 Reichsmark. Nach der Genehmigung durch die Königliche Regierung wurde der Neubau in Auftrag gegeben.

Eine nach der Eröffnung des neuen Krankenhauses im Jahre 1905 aufgestellte Bilanz ergab einschließlich Grundstück, Haus und Inventar ein Vermögen von 95000 Reichsmark. Der Neubau verfügte über insgesamt 45 Betten, die sich auf die beiden Stationen – Männer im Erdgeschoß und Frauen im ersten Stock – verteilten. Hinzu kamen noch zwei Kinderzimmer sowie ein größerer Raum für ältere Damen, die hier ihren Lebensabend verbrachten. Darüber hinaus gab es einen großen und einen kleinen Operationssaal, Entbindungszimmer, Röntgen und Bestrahlungsraum, ein kleines Büro, sowie Wohnzimmer und Aufenthaltsraum für die Diakonissen. Küche, Keller und weitere Nebenräume entsprachen den modernsten Anforderungen der damaligen Zeit. Am 6. November 1905 konnte eine dritte Diakonisse eingestellt werden.

neubau02 Der Neubau an der Gütersloher Straße
1915 betrug der tägliche Pflegesatz 1,50 Reichsmark; umgerechnet hatte er sich seit 1871 nahezu verdoppelt Seit 1889 hatte das Haus eine Belegung von monatlich neun Patienten, während etwa 20 Personen im gleichen Zeitraum ambulant versorgt wurden. Im März 1914 erhielt das Haus eine Telefonanlage. Mit Kriegsausbruch im August 1914 wurde beschlossen, das Haus mit Verwundeten zu belegen. Decken und Verbandsstoffe sind nach Bedarf von Bethel bezogen worden. Der Kreisverein Wiedenbrück vom Roten Kreuz teilte am 10. Oktober dem Vorstand mit, dass dem evangelischen Krankenhaus Rheda die Einrichtung eines „Vereinslazarettes“ genehmigt worden sei. Für die im „Reservelazarett Rheda“ untergebrachten Verwundeten wurde ein Honorarsatz von 25 Pfennigen pro Mann und Tag festgesetzt.

Anlässlich einer Inspektion im Jahre 1927 wurde dem Krankenhaus der gute bauliche Zustand seiner Räumlichkeiten bestätigt Auch an seinen medizinischen Einrichtungen gab es nichts auszusetzen, und somit entsprach „das Krankenhaus vollauf den neuzeitlichen Ansprüchen“. In jenen Jahren wurden auch Erholungsbedürftige aus dem Industriegebiet im Krankenhaus aufgenommen.

Für auswärtige Kranke wurden die Pflegesätze 1929 wie folgt festgesetzt: 5. Klasse 4,00 Mark; 2. Klasse 7,40 Mark und l. Klasse 12,00 Mark. Dr. Brummert aus Gütersloh erhielt die Genehmigung, seine Patienten im hiesigen Haus unterzubringen und zu behandeln. 1958 erhielt das Krankenhaus für 10000 Reichsmark ein neues Röntgengerät. Nach Kriegsausbruch 1959 wurden erneut Räumlichkeiten für die Aufnahme von Verwundeten bereitgestellt

Zweiter Neuanbau der Gütersloher Straße

krheute02 Das Ev. Krankenhaus heute
Bereits zu Beginn der fünfziger Jahre zeigte es sich mehr und mehr, dass das Anfang des Jahres 1904 erbaute „neue“ Krankenhaus den wachsenden baulichen und medizinisch-technischen Anforderungen nicht mehr genügte. Räumliche Beengung und das Fehlen von Aufzügen erschwerten die Pflegearbeiten, die von treusorgenden Sarepta-Diakonissen wahrgenommen wurden.

Im April 1957 diskutierte die Evangelische Kirchengemeinde Rheda in einer Versammlung einen Neubau des Krankenhauses. Der erforderliche Bau konnte jedoch nur durchgeführt werden, wenn die Gemeindeglieder eine entsprechende finanzielle Unterstützung leisteten.

Im Rahmen der Krankenhausbedarfsplanung erfolgten die Abstimmungen mit der Landesregierung. Der Bielefelder Architekt und Diplomingenieur Hans Thiele wurde mit den Planungsarbeiten beauftragt und seine Entwürfe durch Landesregierung und Regierungspräsident in Detmold genehmigt

Bereits Ende 1957 hatten sich zur Sicherstellung der Finanzierung viele Gemeindeglieder bereiterklärt, die Stiftung neben einmaligen Spenden jährlich mit insgesamt 20000 DM zu unterstützen, und das fünf Jahre lang.

So konnte im Spätsommer 1961 mit dem Bau des neuen Krankenhauses begonnen werden. Für die erste Baustufe war ein fünfstöckiges Bettenhaus mit 117 Planbetten vorgesehen. Das Sockelgeschoß hat die Verwaltungs-, Betriebs- und Funktionsräume aufgenommen. In den vier darüber liegenden Etagen sind die Bettenstationen untergebracht Jede Station auf der Südseite verfügt über rund 50 Betten mit Blick auf den Fichtenbusch. Behandlungs- und Funktionsräume (Arbeitsräume, Schwestern und Ärztezimmer, Teeküchen, Bäder und Toiletten) blieben der Nordseite, also zur Gütersloher Straße hin, vorbehalten. Gleichzeitig wurde der Neubau mit einem Schwesternwohnheim verbunden, das über 62 Einzelzimmer verfügt.

An der Finanzierung beteiligten sich der Bund und das Land mit rund 6,5 Millionen DM, die Restfinanzierung erfolgte durch Eigenmittel, kirchliche Zuschüsse und Kredite. Am 19. Oktober 1962 konnte das Richtfest begangen werden; am 4. Adventssonntag folgte die Einweihung.

Heute sind die Planbetten wie folgt auf die Fachdisziplinen verteilt:
Chirurgie: 60 Betten
Innere Abteilung: 20 Betten
Urologie: 20 Betten
Gynäkologie und Geburtshilfe: 15 Betten
Hals-Nasen-Ohren: 5 Betten
Augen-Heilkunde: l Bett 117 Betten

Neben den Funktionsräumen der OP-Abteilung stehen zwei Kreißsäle und ein weiterer Operationsraum (OP) sowie Ambulanz und Therapieräumlichkeiten zur Verfügung.

Die Diagnostik verfügt über eine moderne Röntgen- und Durchleuchtungsabteilung, ein Laboratorium sowie einen EKG -Raum. Eine Vielzahl medizisch-technischer Geräte und Instrumente unterstützen die Ärzte bei ihrer diagnostischen Arbeit und Therapie.

Entsprechend dem Auftrag, die stationäre und ambulante Krankenhausgrundversorgung für unser Einzugsgebiet sicherzustellen, waren und sind der Stiftungsverband, die Betriebsleitung und die Ärzteschaft stets engagiert, die patientenbezogene Krankenhausstruktur und Pflege, ärztliche Versorgung, Medizintechnik und Wirtschaftsführung auf dem neuesten Stand zu halten. Eine Abteilung für physikalische Therapie und Krankengymnastik wurde modernisiert und erweitert.

Ab 1979 arbeitet mit Genehmigung des Ministers für Arbeit, Gesundheit und Soziales eine Abteilung für Anästhesie in unserem Kran kenhaus. Für die postoperative Überwachung und für Risikopatienten stehen moderne Überwachungsgeräte zur Verfügung. So wurden und werden Neugeborenen-Abteilung, Ambulanzen, Operationsräume, Röntgenabteilung, Laboratorium sowie ERG- und Ultraschallgeräte im Rahmen des Möglichen jeweils neuen Erkenntnissen und Erfahrungen angepasst Dies trifft auch für die Einrichtungen der Wirtschafts- und Verwaltungsbereiche zu.

Dem Krankenhaus ist eine Schule für Krankenpflegehilfe angeschlossen. Ein einjähriger Lehrgang bildet durchschnittlich 15 Krankenpflegehelferinnen und -helfer aus. Nach erfolgreicher Ausbildung werden sie teilweise in den Pflegedienst des Krankenhauses und des Altenheims der Stiftung übernommen.

Das Altenheim in der Parkstraße

Aufgrund des wachsenden Bedarfs erörterte der Stiftungsvorstand bereits ab 1968 die Errichtung eines Altenheimes. Im April beschließt er einstimmig, auf den Bau einer derartigen Einrichtung auf dem Stiftungsgelände an der Parkstraße zuzugehen.

Nachdem Kreissynodalvorstand und das Diakonische Werk des Kirchenkreises Gütersloh das Vorhaben befürwortet hatten, wurde im Mai 1972 der Bielefelder Architekt und Diplomingenieur Prof. Hanns-Christian Thiele – der Sohn des Krankenhaus-Architekten – mit den Vorplanungsarbeiten beauftragt Aufgrund seiner Entwürfe wird ab August 1972 die Verwirklichung dieses Projektes betrieben. Bereits im November des gleichen Jahren konnte der Vorstand nach Erstellung einer Wirtschaftlichkeitsanalyse und eines Finanzierungsplanes die entsprechenden Anträge bei der Stadt Rheda-Wiedenbrück einreichen.

In enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit der Stadt, der Evangelischen Kirchengemeinde Rheda und der Bezirksregierung in Detmold kam man im November 1975 zu dem Entschluss, den Bau des Altenheimes an der Parkstraße zu errichten. Die 109 vorgesehenen Plätze sollten sich auf fünf Etagen verteilen. 24 Plätze waren für eine besondere pflegerische Betreuung vorgesehen.

Bereits im Juni 1973 haften Land, Bund und Kreis die öffentlichen Finanzierungsmittel bewilligt, so dass im Februar 1974 die Pfahlgründungsarbeiten begannen.

Eine zügige Bauabwicklung ermöglichte das Richtfest schon am 6. Dezember 1974, das zusammen mit dem zehnjährigen Jubiläum des neuen Evangelischen Krankenhauses an der Gütersloher Straße begangen wurde.

Die ersten Heimbewohner zogen am l. Oktober 1975 m den Neubau ein. Die offizielle Einweihung fand am 26. Oktober statt. Sie war verbunden mit einem Festgottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche und einem „Tag der offenen Tür“.

Durch den wachsenden Bedarf an Plätzen für besondere Betreuung erfolgte eine Erweiterung um 11 Plätze und die Umwandlung von 11 Heimplätzen in Pflegeplätze, die der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen genehmigte und der Kreis Gütersloh finanzierte. Seitdem verfügt das Evangelische Altenheim über 120 Plätze, die, auf zwei Stationen verteilt, 46 Plätze für pflegebedürftige Altenheimbewohner mit einschließen.

Für Pflege und Rehabilitation, für kulturelle Betreuung und gesellschaftliche Anlässe stehen den Heimbewohnern gut ausgestattete Räume zur Verfügung.

Der vollständig unterkellerte Bau ist im Nordflügel fünf- und im Ostflügel viergeschossig. Er fügt sich harmonisch in die Anlagen des Stadtparks ein. Ernst-August Lübbermann Stadtarchivar

Für die Zukunft

Alle Verantwortlichen der Stiftung Rheda werden auch in Zukunft bemüht sein, deren Einrichtungen bedarfsgerecht zu erhalten und das Vertrauen der Bevölkerung zu rechtfertigen und zu vertiefen.

Aufgrund des dualen Finanzierungssystems im Gesundheitswesen – Betriebskosten werden über die Pflegesätze erstattet, während die Investitionskosten aus Zuweisungen von Fördermitteln nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) bezahlt werden – ergeben sich keine Möglichkeiten zur Erwirtschaftung eines betriebswirtschaftlichen Ertrages für Sondermaßnahmen. Die Knappheit der öffentlichen Mittel lassen nicht immer Maßnahmen zum wünschenswerten Zeitpunkt zu.

Um so mehr sind wir unseren Förderern dankbar, die uns durch ihre Beiträge und Spenden Möglichkeiten eröffnen, kleine Sondermaßnahmen zur besseren Patientenversorgung und Betreuung zu verwirklichen.

Der Vorstand würde es sehr begrüßen, wenn sich noch mehr Gemeindeglieder dazu entschließen könnten, sich den Förderern der Stiftung anzuschließen, um auch in Zukunft deren Einrichtungen zum Wohle der Patienten, Heimbewohner und Bürger aus Stadt und Land zu unterstützen.

Anlässlich des 125 Bestehens der Evangelischen Stiftung am 4. August 1981